Meine Packanleitung für mein SUP-AIR-L Rettungsgerät ( 22.11.2004)
Bei Gleitschirmgurtzeugen mit integriertem Rettungsschirmcontainer
Wenn Du einen professionellen Pack- oder Reparaturservice benötigst, dann wende Dich bitte an deinen SUP AIR Händler oder an Aerosport International.
Diese Packanleitung baut auf der Originalanleitung von SUPAIR auf. Allerdings wurden ein paar Schritte umgestellt und irreführende Darstellungen gekennzeichnet. Es gibt halt mehrere Methoden zum
richtigen Packen, und diese hier erscheint mir als die beste; sie entstand aus mehreren Besuchen von Packkursen bei der Flugschule von
Martin Mergenthaler.
Natürlich gelten alle Angaben und Aussagen NUR FÜR MEIN GURTZEUG UND MEINE RETTUNG. Du kannst diese Anleitung verwenden wofür Du willst, NUR NICHT ZUM PACKEN EINER RETTUNG. Mein
Vorschlag ist, daß diese Anleitung als Ausgangsbasis für Deine eigene selbstgemachte Anleitung benutzt wird.
In diesem Sinne viel Spaß damit.
Hendrik Maroske
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Die SUP AIR Rettungsgeräte sind Rundkappen-Mittelleinenrettungsgeräte mit eingezogenem Scheitel und geteilten Bahnen. Optimierter Zuschnitt und differenzierte Luftdurchlässigkeit durch spezielle
Verarbeitung und Materialmix ergeben ein Rettungsgerät modernster Bauart. Der Kappenscheitel ist etwas luftdurchlässiger als die Basis.
SUP AIR L
Fläche 38 m2
Gewicht mit Innencontainer 2,25 kg
Anzahl der Bahnen 22
Anhängelast bei 6,8 m/sec Sinkgeschwindigkeit 145 kg
Sinkgeschwindigkeit bei 100 kg Anhängelast 4,5-5,0 m/sec
zugelassenes Startgewicht 120 kg
DHV-Gütesiegel erteilt
Man benötigt einen großen, freien Platz von ca. 10 x 2m, idealerweise einen Fallschirmpacktisch, und ca. 2m Schnur oder Gleitschirmleine. Ein Leinenkamm und mehrere Säckchen mit Bleischrot
erleichtern das Packen, sind aber nicht unbedingt erforderlich.
1. Sichtkontrolle
Kappe ausschütteln, an den Mittelleinen aufhängen und Bahn für Bahn auf Beschädigungen, Schmutz und Stockflecken überprüfen.
2. Einfädeln der Packschlaufen
Beginnend mit Bahn 1 fädelt man eine Hilfspackschnur (z.B. eine alte Gleitschirmleine) der Reihe nach durch alle Packschlaufen. Die Packschlaufen befinden sich im oberen Drittel der Kappe an der
Naht der einzelnen Bahnen.
3. Spannen der Kappe
Die durch die Packschlaufen geführte Hilfspackschnur wird an einem festen Punkt befestigt, z.B. Tischbein, Heizung oder Wandhaken. Man spannt das Rettungssystem, indem man das Ende der
Verbindungsleine mit einem zweiten festen Punkt verbindet. Das kann z.B. das Gurtzeug sein; dann aber wird es schwierig, beim zieharmonikaförigen Einlegen der Kappe in den Innencontainer die
Leinen nachzuziehen (Siehe Punkt 10).
4. Erstes Ordnen der Bahnen
Man nimmt Bahn für Bahn und zieht das Tuch zur Seite heraus. Man fährt fort bis man zur Bahn 1 gelangt.
5. Erstes Auslegen der Bahnen
Man hebt die Kappe an den Leinen hoch und legt die Bahnen 1-11 nach rechts und 12-22 nach links. Die Bahn 1 soll rechts oben liegen.
Man nimmt das Leinenbündel und teilt es in seine zwei Hälften links und rechts der Mittelleine, die den beiden Hälften der Fallschirmbahnen entsprechen. Anschliessend überprüft man, dass jede einzelne Leine kreuzungsfrei und ohne Verschlingungen von der Basis des Fallschirms zur Verbindungsleine läuft. Keine Leine darf "außen herum" laufen, analog zum Gleitschirm, wo keine Leine um die Eintrittskante herum laufen darf (Gefahr von Verhängern). Laufen die Mittelleinen irgendwie außen herum, ist die Kappe von innen nach außen gestülpt worden und muß erst wieder gewendet werden.
6. Zweites Auslegen der Bahnen
Man nimmt die Bahnen 1-11 in die rechte Hand und legt die Bahnen mit einem Schwung auf die linke Seite auf den Rest. Bahn 11 liegt links oben. Man kann auch alle Bahnen außer der 11 auf die linke
Seite umschlagen, wie hier in etwa dargestellt:
6.1 Bahn für Bahn wird nun nach rechts sorgfältig ausgelegt und am oberen Ende bei den Packschlaufen herausgezogen, beginnend bei Bahn 11 und endend bei Bahn 1.
6.2 Anschliessend schlägt man die linke Hälfte der Kappe nach rechts und legt dann Bahn für Bahn sorgfältig wieder nach links. Bahn 22 liegt dann links oben.
7. Checken der Leinen
Man nimmt das Leinenbündel und teilt es in seine zwei Hälften links und rechts der Mittelleine, die den beiden Hälften der Fallschirmbahnen entsprechen. Anschliessend überprüft man, dass jede
einzelne Leine kreuzungsfrei und ohne Verschlingungen von der Basis des Fallschirms zur Verbindungsleine läuft.
CHECK:Die Leinen zu den Bahnen 1 und 22 müssen links und rechts der beiden Mittelleinen liegen.
8. Dritteln der Rettungsschirmkappe
Man nimmt mit beiden Händen die Bahnen der linken Hälfte an der Basis und faltet 2/3 nach rechts über die Mitte. Anschliessend werden die äusseren 1/3 der nun rechts oben liegenden linken Bahnen
wieder zurück gefaltet.
Das folgende Bild zeigt eine andere Methode: man kann auch nur ein Drittel über und das andere unter die Bahnmitten falten, aber das ist fummelig und fehlerträchtig. Das Ergebnis im Bild ist
spiegelverkehrt zum Ergebnis der von mir benutzten Methode: der gedrittelte Packen sieht aus wie ein richtiges ''S'' (kein gespiegeltes wie im Bild). Im Prinzip is es völlig egal, ob das ''S''
nun so oder andersrum aussieht; wichtig ist
das Ziel dieses Schrittes: Die Breite der gefalteten Rettungsschirmkappe soll genau der Breite des Innencontainers entsprechen. Ohne unnötige Fummeleien und Falten.
9. Achtung:
Vor dem zieharmonikaförmigen Falten der Kappe ist die Hilfspackschnur, die durch die Packschlaufen gefädelt wurde, unbedingt wieder zu entfernen!
10. Ziehharmonikaförmiges Falten der Kappe
Man faltet den Rettungsschirm wie ein Akkordeon, wobei die Länge der einzelnen S-Schläge der Länge des Innencontainers entspricht. Danach schiebt man die akkordeonförmig gefaltete Kappe so in den
Innencontainer, dass die Basis zur offenen Seite des Innencontainers zu liegen kommt.
9.1 Einlegen des Anfangs in den Innencontainer, ganz rein, bis zum Boden!
9.2 Dreimal auf den Innencontainer falten
9.3 Diese drei Falten einlegen (entlang der beiden grünen Linien im Bild), indem die zwei Ecken mit der rechten Hand gefaßt und mit der linken Hand in den Container geschoben werden. Danach diese
Falten im Container wieder öffnen.
9.4 Letzte Falte auf dem Container bilden (entlang der grünen Linie anheben) und so in den Container einlegen, daß die Basis (Eintrittskante) zur offenen Seite des Containers frei zugänglich
liegt.
9.5 Man zieht den mittleren Gummiring durch die gegenüberliegende Öse der Innencontainer-Klappe und anschliessend schiebt man ein (hier: blaues) Bleisäckchen oder einen Stift durch den Ring, um so provisorisch den Container zu schließen und die frisch gepackten Bahnen etwas zu fixieren.
11. Bündeln der Leinen
Die geordneten Fangleinen werden in drei Bündeln zu je drei Schlägen (je sechs mal hin und her) zusammengefasst. Über die beiden Enden jedes Bündels schiebt man je einen Gummiring. Wenn das
letzte Bündel vier Schläge enthält, waren die einzelnen Schläge zu kurz. Man schummelt die Schlaglänge so hin, daß etwa 45 Zentimeter Leinen ungebündelt bleiben.
12. Verschließen des Innencontainers
Man zieht den mittleren Gummiring durch die gegenüberliegende Öse der Innencontainer-Klappe und anschliessend durch die mittlere Öse der unteren Klappe. Mit den noch freien 45cm Leinen bildet man
einen Schlag und schiebt diesen durch den Gummiring. Anschliessend verfährt man ebenso mit den beiden seitlichen Ösen der unteren Klappe und braucht so die freie Restlänge auf.
Die Skizze ist irreführend bzw. nicht eindeutig; daher noch einmal ein Paar Fotos:
So sieht es dann richtig aus
13. Verbinden des Rettungsgerätes mit dem Gurtzeug
Die Verbindungsleine des Rettungsgerätes wird mit der Rettungsgeräte-Verbindungsleinen des Gurtzeuges, die an den Schultergurten des Gurtzeuges befestigt sind, eingeschlauft oder mit einem
geeigneten Stahl-Schraubschäkel verbunden und mit der Klettführung an der Seite des Gurtzeuges befestigt. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass die Verbindung mittig erfolgt, d.h. beide
Verbindungsleinen, die zu den Schultergurten führen, gleich lang sind. Hat das Gurtzeug keine integrierte Befestigungsmöglichkeit für das Rettungsgerät an den Schultergurten, dann kann man die
Rettungsgeräte-Verbindungsleine auch an beiden Hauptkarabinern befestigen.
14. Rettungsgerät in Außencontainer einlegen
Der Fallschirm des Containers liegt "unten".
15. Außencontainer verschließen
Dazu braucht man ein Stück Hilfspackschnur, mit der man die Lasche durch alle vier Ösen ziehen kann.
16. Splint richtig einstecken
17. Griff richtig befestigen
18. Testauslösung und Kompatibilitätsprüfung
Griff ziehen und prüfen, daß der Splint gezogen wird, bevor der Griff am Container zieht. Die Erstinstallation des Rettungsgerätes in das Gurtzeug darf nur von zugelassenen Experten, sogenannten
Kompatibilitätsprüfern, vorgenommen werden. Diese Vorschrift hat den Sinn sicherzustellen, dass keine ungeeigneten Kombinationen von Rettungsgeräten und Gurtzeugen mit integriertem
Aussencontainer in Betrieb genommen werden. Bitte wende Dich wegen des Ersteinbaus des Rettungsgerätes in das Gurtzeug an eine Flugschule bzw. Fachhändler. Dort findest du in der Regel einen
zugelassenen Kompatibilitätsprüfer. Achtung: Nach jedem Neupacken und Wiedereinbau des Rettungsgerätes in den Aussencontainer muss das korrekte Öffnen des Aussencontainers überprüft werden, indem
man am Auslösegriff zieht und sicherstellt, dass sich der Aussencontainer problemlos öffnet, das Rettungsgerät am Auslösegriff hängt und ordnungsgemäss mit dem Gurtzeug verbunden ist.
18.1 Bei OK Funktion: Hilfspackschnur abziehen. Hat man die Hilfspackschnur während der Probeauslösung an der Lasche gelassen, ist es einfach, jedesmal aufs Neue den Container zu verschließen.
Wenn eine einwandfreie Funktion sichergestellt ist, soll die Schnur endgültig entfernt werden. Dazu Splint so nach oben über die Hilfspackschnur schieben, daß der Splint die Zugkraft auf die
Lasche übernimmt und die Hilfspackschnur ohne Kraftaufwand (und ohne die Lasche zu beschädigen) abgezogen werden kann. Langsam ziehen!
19. Instandhaltung, Pflege, Reinigung und Lagerung
Ein Rettungsfallschirm, der dazu da ist das Leben seines Besitzers zu retten, bedarf sorgfältiger Wartung und Pflege. UV-Strahlung, Feuchtigkeit und Chemikalien sind die schlimmsten Feinde dienes
SUP AIR Rettungsgerätes. Vermeide diese Belastungen und lasse dein SUP AIR Rettungsgerät nie unnötig in der Sonne liegen, öffne und trockne es sofort, wenn es feucht geworden ist und lagere es
trocken. Reinige dein SUP AIR Rettungsgerät nur mit Wasser, keine Waschmittel oder Chemikalien verwenden!
20. Nachprüf- und Packintervall
Alle 6 Monate muss das SUP AIR Rettungsgerät gelüftet und neu gepackt werden. Sinnvoll ist es, wenn man bei dieser Gelegenheit den Wurf des Rettungsschirmes übt. Am besten macht man dies in einer
Turnhalle, wo man sich an den Ringen im Gurtzeug aufhängt und aus einer Schaukelbewegung heraus das Rettungsgerät zieht und mit dem Innencontainer wegschleudert. SupAir empfiehlt, alle 2 Jahre
das Rettungsgerät nachprüfen zu lassen. In jedem Fall muss das SUP AIR Rettungsgerät nach einer Rettungsöffnung von Aerosport International überprüft werden. Spätestens 10 Jahre nach dem Datum
der Stückprüfung ist eine Nachprüfung ebenfalls zwingend erforderlich. Ansonsten erlischt das Gütesiegel.
Und hier fast zum Schluß noch ein Bonbon: meine Packhilfe. Das Packen geht damit nicht besser, toller oder schöner als ohne. Aber es geht immer genau gleich und in Nullkommanix. Die Zahlen auf den Dübeln sagen wieviele Schläge da drum herum müssen, damit am Ende alles genau paßt.
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